Schirmherrschaft

Frau KöhlerGrußwort von

Eva Luise Köhler    

Sehr geehrte Damen und Herren,

Taubblindheit ist eine ganz besondere Art der Behinderung. Niemand mag es sich vorstellen, weder zu sehen noch zu hören. Der Blinde kompensiert Vieles durch sein Hörvermögen, er hört buchstäblich, was andere sehen. Der Taube umgekehrt sieht Vieles, was andere hören. Fehlen beide Sinne, so fällt die Kompensation weg. Die einzelnen Einschränkungen addieren sich nicht, sie potenzieren sich in ihrer Auswirkung. Die Herausforderungen für die Betroffenen liegen in Kommunikation, Orientierung, Mobilität, dem Zugang zu Informationen aus der uns allgegenwärtigen Umwelt. Der Alltag muss völlig anders bewältigt werden.

Das Europäische Parlament hat in diesem Jahr genau vor 10 Jahren, im April 2004, die besondere Situation taubblinder und hörsehbehinderter Menschen erkannt und die Mitgliedsstaaten aufgefordert, die Rechte der betroffenen Personen anzuerkennen und ihnen Geltung zu verschaffen. Auf diesen Weg müssen wir uns begeben. Es ist zutiefst bedauerlich und enttäuschend, dass in Deutschland immer noch wirksame Unterstützungsstrukturen fehlen, Bedarfe teilweise gar nicht bekannt, selten anerkannt sind und der Zugang zu Leistungen so barrierereich ist.

Ich habe eben von der Herausforderung für die Betroffenen gesprochen. Es gibt auch eine Herausforderung für die Gesellschaft, sie besteht darin, die notwendige Unterstützung bereitzustellen und die 2009 ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) umzusetzen. Die UN-BRK gibt ein klares Ziel vor – gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft. Andersartigkeit ist im Sinne der Vielfalt als Bereicherung zu sehen. Die Botschaft ist klar. Den Weg müssen wir noch finden.

In Deutschland dauerte es 8 Jahre, bis sich die Arbeits- und Sozialministerkonferenz im November 2012 dem Thema Taubblindheit angenommen hat. Allerdings ist bis zum jetzigen Zeitpunkt in Deutschland noch keine Anerkennung von Taubblindheit erfolgt. Taubblindheit als Behinderung eigener Art kann nur durch die Einführung eines Merkzeichens im Schwerbehindertenausweis anerkannt werden.

Neben der Anerkennung von Taubblindheit als Behinderung eigener Art sind die Verbesserung der Frühdiagnose, die Einrichtung von Unterstützungsstrukturen wie Kompetenzzentren, der Auf- und Ausbau eines Leistungsangebotes (meine hier REHA; Hilfsmittel, Schulungen), die Bereitstellung von Assistenzen für die Begleitung von Betroffenen sowie Dolmetscher für die Kommunikation notwendig.

Ich freue mich sehr, dass dieser Kongress das Thema Taubblindheit in all diesen genannten Facetten wissenschaftlich und praxisnah diskutiert und zu einem besseren und breiteren Verständnis beiträgt. Ich hoffe darüber hinaus, dass der Kongress Impulse setzt und Veränderungen bewirkt. Veränderungen, die die Lebenssituation all derjenigen unter uns, die von einer doppelten Sinneseinschränkung betroffen sind, nachhaltig verbessert und eine bessere Lebensqualität ermöglicht.

Als Schirmherrin wünsche ich dem Kongress in diesem Sinne gutes Gelingen!
 

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